Georg-Jungmann Haus
Kontakt
Georg-Jungmann Haus
Friedrich-Olbricht-Str. 8
67433 Neustadt
Tel. 06321/8993-30
Fax. 06321/8993-37
Mail: Andreas.Repp@lebenshilfe-nw.de
Leitung: Andreas Repp
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Räumlichkeiten des Wohnheims
Das Wohnheim bietet 24 Wohnheimplätze, aufgeteilt in 22 Einzel- und 2 Doppelzimmer, das Haus können 9 Rollstuhlfahrer bewohnen. Des Weiteren bietet das Wohnheim zwei Plätze für Kurzzeitpflege, die ebenfalls rollstuhlgerecht sind. Die Bewohnerzimmer sind verteilt auf das Erdgeschoss, das Obergeschoss und das Dachgeschoss. Es wurde bewusst das Gewicht auf die Schaffung von Einzelzimmer gelegt, damit den Bewohnern ein Stück absoluter Privatsphäre garantiert ist. Um jedoch auch die Bedürfnisse von Paaren zu berücksichtigen, wurden zwei Doppelzimmer eingeplant, die Rollstuhlbenutzer gerecht ausgestattet sind. Das Wohnheim ist auf die Bildung von so genannten Hausgemeinschaften ausgerichtet.
Hausgemeinschaften
Die Hausgemeinschaften bestehen aus einer Gruppe behinderter Menschen, die familienähnlich – gleichsam als Haushaltsgemeinschaft – in einer ausreichend dimensionierten Wohnung zusammen leben. Die Konzeption des Wohnheims sieht Hausgemeinschaften mit sechs und vier Personen vor. Jede Hausgemeinschaft hat als Mittelpunkt einen Gemeinschaftsbereich, mit Wohn-, Essbereich und Küche. Auf einer Ebene sind je eine 4-Personen- und eine 6-Personenhausgemeinschaft verbunden. Es gibt in zwei Stockwerken solche Einheiten mit je 10 Betten. So können zwei Hausgemeinschaften übersichtlich betreut und beaufsichtigt werden. Die Unterteilung in verschieden große Wohnformen bietet eine vielfältige, änderbare Nutzung. Es bietet sowohl relativ selbständigen Bewohnern, als auch schwerstbehinderten Menschen die geeigneten Voraussetzungen einer bedarfsgerechten Wohnform bei unterschiedlichem Betreuungsaufwand.
Individuelle Zimmer
Das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung spielt sich –zwangsläufig durch die notwendige Beaufsichtigung bei der Toilette, bei den Mahlzeiten, in der WfbM, in der Tagesförderstätte-, hauptsächlich „öffentlich“ ab. Voraussetzungen sich individuell auszuleben oder die Möglichkeit sich zurückziehen zu können, sind zumindest eingeschränkt. Um dem Bedürfnis auf Schutz, Sicherheit, Eigenständigkeit, Privatheit nachzukommen, wurden im Haus 22 Einzelzimmer vorgesehen. Sie sind ausreichend bemessen und bilden mit eigener Diele und Nasszelle eine kleine individuelle Wohnung. In diesen Kleinwohnungen können sowohl selbständige Behinderte ein weitgehend eigenständiges Leben gestalten, als auch schwer behinderte und/oder alte Menschen in den Wohn- und Nassbereichen in vertrauter, privater Umgebung versorgt werden. Zwei Doppelzimmer bieten eine adäquate Wohnform für Paare und Partnerschaften. Bei der Gestaltung der Zimmer werden die Bewohner frühzeitig mit einbezogen, damit es tatsächlich nach eigenen Wünschen eingerichtet werden kann. Sie haben die Möglichkeit die Zimmer mit persönlichem Eigentum zu möblieren. Das Zimmer soll die individuelle Handschrift des Bewohners tragen und als Rückzugsbereich dienen. Die Wichtigkeit des eigenen Bereichs wird für ältere Bewohnern noch gravierender: Das Alter ist ein wohnungsorientierter Lebensabschnitt mit vielen Ruhephasen und dem Bedürfnis viel Zeit in gewohnter, vertrauter Umgebung zu verbringen. Es ist wichtig, diesen Bereich zu schützen, keinesfalls sollen diese Räume als „Schlafräume“ herabgestuft werden.
Kurzzeitpflege
Im Haus sind zwei Einzelzimmer für Kurzzeitpflege vorgesehen. Sie stehen für kurzfristige Bedarfe, bei familiären Krisen, Ausfall der Hauptbetreuungspersonen befristet für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung.
Räume zur Tagesstrukturierung
Um kranke, ältere und nicht werkstattfähige Bewohner tagsüber zu betreuen und zu fördern sind außer den Gemeinschaftsräumen der Hausgemeinschaften auf den verschiedenen Ebenen des Hauses Räume zur Tagesstrukturierung eingeplant: Im Erdgeschoss der Mehrzweckraum, im Obergeschoss ein Handarbeitsraum und ein Snoezelraum.
Übergreifende Räume
Der Mehrzweckraum mit Küchenzeile befindet sich gleich neben dem Eingangsbereich. Tagsüber kann er für tagesstrukturierende Maßnahmen mit einbezogen werden. Abends und am Wochenende ist der zentrale Gemeinschaftsraum Begegnungsstätte für die gesamten Bewohner. Er dient als Versammlungsraum, Cafeteria und kann für diverse Freizeitangebote genutzt werden. Durch eine bewegliche Wand kann er für Veranstaltungen vergrößert werden. Dem Mehrzweckraum angeschlossen sind eine Küche und ein WC-Bereich für Besucher. Die notwendigen, gemeinschaftlichen Nebenräume für medizinische Geräte, Rollstühle, usw. Haustechnikraum, Stuhllager und Lebensmittellager sind ausreichend vorgesehen. Im Obergeschoss befinden sich ein Personalraum und ein Duschbad mit WC für das Personal.
Gruppenaufteilung
Das Haus wird von Menschen bewohnt, die einer intensiv betreuten Wohnform bedürfen. Diese Menschen besuchen tagsüber eine Tagesförderstätte oder eine Werkstatt für behinderte Menschen. Einige der Personen sind bereits berentet, bzw. besuchen keine Einrichtung. Es ist zu erwarten, dass die Betreuungsintensität steigen wird; der Anteil an Bewohnern, die aus dem Arbeitsleben ausscheiden wird mit den Jahren größer. Für Menschen mit einer geistigen Behinderung ist es schwer Zugang zum sozialen Umfeld zu finden. Ein Leben integriert in der sozialen Gemeinschaft ist leider noch nicht Realität für Betroffene und ihre Angehörigen. Deshalb ist beabsichtigt zumindest im Haus die Gruppenzusammensetzung heterogen zu gestalten, um eine erneute Aussonderung zu vermeiden. Schwache Mitglieder der Hausgemeinschaften müssen in die Aktivitäten der Gruppe einbezogen und berücksichtigt werden. Übergreifende Aktivitäten einzelner Interessengruppen, wie z.B. der Besuch eines Kinos oder einer Diskothek sind unabhängig davon möglich.
Grundgedanke
Das Prinzip der Hausgemeinschaften beinhaltet einen konzeptionellen Grundgedanken: Das Leben im Haus wird nicht zentral-institutionell strukturiert, die Gruppen sollen eher vom Charakter einer familienähnlichen Wohngemeinschaft geprägt sein. Die Bewältigung des Alltages und die damit verbundenen lebenspraktischen Bereiche, die sinnvolle, erfüllte Gestaltung der Freizeit zu Hause und außerhalb und das Erleben von „Highlights“, wird in jeder Hausgemeinschaft geübt und gelebt. Aus diesem Grund wurde auf eine zentrale Hauswirtschaft- und Küchenversorgung verzichtet. Die Besorgung der Lebensmittel, die Vor- und Zubereitung der Mahlzeiten, Hauswirtschafts- und Putztätigkeiten sind (in entsprechendem Maße) Bestandteile der alltäglichen, lebenspraktischen Aufgaben der Hausgemeinschaften. Die Zubereitung der Mahlzeiten und das gemeinsame Essen nimmt deshalb eine wesentliche Rolle in der Tagesstrukturierung und an den Wochenenden ein, wobei das Mittagessen für die meisten Bewohner an Werktagen in ihren Beschäftigungsstätten vorgehalten wird. Das Essen im Haus muss gemeinsam von Personalteam und den Bewohnern organisiert werden. Dies ist eine verantwortungsvolle und zeitaufwändige Arbeit, die keinesfalls die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Bewohner einschränken darf. Es ist allerdings auch eine elementare, erzieherische Aufgabe im lebenspraktischen Bereich, die Verantwortung und Gemeinschaftsgefühl erfahren lässt.
Tagesstruktur
Werktags werden die Bewohner in der Regel außerhalb des Hauses beschäftigt und betreut werden. Aber auch innerhalb des Wohnheimes werden für schwerstbehinderte, kranke und ältere Menschen Angebote geschaffen. Diese orientieren sich an der individuellen Verfassung und Befindlichkeit der einzelnen Bewohner. Durch einfach strukturierte Angebote wird der Alltag sinnvoll gestaltet. Ziel ist es Fähigkeiten und Fertigkeiten dieser Menschen zu fördern und zu erhalten.
Alte Bewohner
Das Wohnheim ist für die Bewohner das Zuhause und deshalb muss das humane Prinzip des lebenslangen Verbleibs in einer Einrichtung für ältere Bewohner gewährleistet sein. Allerdings können alte Menschen mit Behinderungen durch einen strukturierten Tagesablauf mit festgelegten Zeiten (Beförderung, Mahlzeiten, Angebote) überfordert sein. Ein angemessener, würdevoller Tagesablauf für alte Bewohner kann deshalb auch innerhalb einer Hausgemeinschaft gestaltet werden.
Zwei konstitutionelle Gegebenheiten sind für ältere Bewohner zu berücksichtigen:
• Alte Menschen, insbesondere mit Behinderungen, haben geringe Ausdauer und ein hohes Ruhe- und Schlafbedürfnis.
• Die gewohnte, vertraute und bekannte Umgebung bietet Sicherheiten und erhält im Alter, auch hinsichtlich der Rückzugsmöglichkeiten eine zentrale Bedeutung (das Alter als wohnungsorientierter Lebensabschnitt).
Die Sorge im Alter nicht mehr gebraucht zu werden ist eine große Belastung. Deshalb ist es wichtig auch alte Menschen, soweit es ihre Verfassung zulässt in leichtere, alltägliche Arbeiten im hauswirtschaftlichen Bereich mit einzubeziehen. Weitere Angebote werden individuell erfragt und geschaffen werden.
Freizeit
Die Gestaltung am Abend und an Wochenenden richtet sich nach den Interessen und Möglichkeiten der einzelnen Gruppenmitglieder. Dabei werden auch verschiedene öffentliche Angebote außerhalb des Heimes angeregt. Das Wohnheim selbst dient ebenfalls als Anlaufstelle für regelmäßig stattfindende Treffen und Projekte. Das Wohnheim als integrative Begegnungsstätte muss dabei allerdings immer eine Bereicherung im Sinne der Bewohner bleiben und darf nicht deren Wohn- und Freizeitbereich einschränken oder zur Belästigung für sie werden. Mit dem Dienst der „Offenen Hilfen“ der Lebenshilfe Neustadt wurde eine wesentliche Bereicherung der Freizeitgestaltung für Menschen mit Behinderungen geschaffen. Zahlreichen Nutzer beweisen den Bedarf dieser Freizeit- und Ferienmaßnahmen. Die ambulanten Angebote werden deshalb auch für die Bewohner wichtige und effektive Hilfen zur individuellen Freizeitgestaltung und Integration bieten.
Personal und Dienstplan
Jeweils zwei Hausgemeinschaften werden von einem Team betreut. Sozialarbeiter, Erzieher, Heilerziehungspfleger, Heilpädagogen und vergleichbare Berufsgruppen werden in den Gruppen beschäftigt. Durch die Notwendigkeit der medizinischen Versorgung wird auch mindestens eine Pflegefachkraft im Haus berücksichtigt werden. Helfer/innen, Praktikant/innen und Helfer/innen im freiwilligen sozialen Jahr unterstützen die Fachkräfte. Neben Mitarbeitern in der Gruppe gibt es eine freigestellte Leitung und je eine anteilige Verwaltungs- und eine Hausmeisterstelle. Während der Woche begleiten mehrere Frühdienste in den Gruppen die Bewohner bis zum Verlassen des Wohnheimes. Zwei Mitarbeiter begleiten die tagesstrukturierenden Maßnahmen. Nach Rückkehr der Bewohner am Nachmittag ist bis zum Abend jede Gruppe mit Mitarbeitern besetzt. Eine Pflegefachkraft ist nachts durchgehend im Haus. Auch am Wochenende sind die Gruppen tagsüber durchgehend besetzt. Der gültige Stellenschlüssel wirrd nach der tatsächlichen Bewohnerstruktur, anhand der individuellen Hilfebedarfe festgelegt. Bei der Anwesenheit aller Bewohner sind die Teams mit mindestens drei Betreuer/innen besetzt, die Wohngruppe im Dachgeschoss mit einer Fachkraft. In der Tagesstruktur im Haus wird der Personalschlüssel der Tagesförderstätte angewendet.
Zusammenarbeit mit Angehörigen
Die Einbeziehung der Eltern, Verwandten, Betreuer und Freunde der Bewohner in das Wohnheimgeschehen ist für uns ebenfalls ein wesentlicher Ansatz. Erwachsene Menschen mit Behinderungen haben das Recht und das Bedürfnis sich vom Elternhaus zu lösen, um mehr Eigenständigkeit zu erlangen. Der Wechsel vom Elternhaus in ein anderes Umfeld ist für die Beteiligten meist ein schwieriger Prozess. Das besondere immanente Verantwortungsgefühl der Eltern für ihre behinderten Töchter und Söhne über die Kindheit hinaus bis ins Erwachsenenalter, muss auch im Wohnheim beachtet und respektiert werden. Andererseits müssen die Eltern lernen Verantwortung abzugeben. In diesem Spannungsfeld muss es gemeinsames Ziel sein, eine vertrauensvolle Basis zwischen Heimpersonal, Verwandten und Bewohner zu schaffen. Die Mitarbeit der Angehörigen soll nicht nur auf eine Elternbeiratschaft reduziert werden, es wird ein konstruktiver Austausch mit Übernahme bestimmter Verantwortlichkeiten angestrebt.

